Rennes-le-Château (Mythos)

Aus GreWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die kleine Gemeinde Rennes-le-Château in Südfrankreich (Departement Aude) ist der Ort einer wachsenden Zahl von Mythen, die sich um den unerklärlichen Reichtum des ehemaligen Dorfpfarrers Saunière ranken. Dieser hatte sich im Südwesten des Dorfes ein stattliches Anwesen gebaut, das er komfortabel ausstatten ließ und wohl als Ruhesitz für die Zeit nach seiner Pension gedacht war. Überraschenderweise starb er am 22. Januar 1917 nach kurzer Krankheit.

Obwohl der Ort seit Jahrzehnten bei Schatzsuchern und Esoterikern einen gewissen Ruf genossen hat, geriet er vor allem durch den Roman Sakrileg von Dan Brown und den später gedrehten Film an die Medien, obwohl weder Buch noch Film explizit auf den Ort Bezug nehmen, sondern lediglich Elemente aus dem Buch Der Heilige Gral und seine Erben von Henry Lincoln benutzen.

Der Schatz

Es gibt diverse Varianten der Geschichte, wonach er beim Umbau der Kirche auf geheimnisvolle Dokumente gestoßen sei, die ihm zu Macht und Reichtum verhalfen.

  • Der Schatz der Königin Blanche von Kastillien
  • Ein Schatz der Merowinger
  • Ein Schatz der Katharer
  • ....

Neben eher prosaischen Schätzen, etwa in Form von Goldmünzen, könnte die Entdeckung auch aus immateriellen Geheimnissen bestanden haben, die

  • eine Genealogie, nach der die Merowinger direkte Nachfahren von Jesus Christus sind.
  • das Versteck der Bundeslade
  • ein Hinweis auf das echte Grab von Jesus Christus
  • ....

für deren Bewahrung bestimmte Organisationen, etwa die katholische Kirche bereit waren, ein Schweigegeld zu bezahlen.

Inzwischen ist praktisch das gesamte Spektrum der grenzwissenschaftlichen Themen mit dem ursprünglichen Mythos verknüpft worden. Man vermutet Kontakte zu Freimaurern und Okkultisten, es gibt Leute, die Lichterscheinungen als UFOs deuten und es gibt jemand , der eine Basis außerirdischer Raumschiffe im Untergrund entdeckt haben will, die Templer und Katharer sind im Spiel und nicht zuletzt ist die Prioré de Sion damit verwoben.

Die Gegend wurde eingehend von Rutengängern durchsucht und natürlich handelt es sich um einen Kraftort, an dem sich Linien eines weltumspannenden Netzes geomantischer Linien schneiden.

Kein Umstand ist zu banal, um nicht mit Mythen umgeben zu werden. Beispielsweise ist Noël Corbu, einer der späteren Besitzer des Anwesens, einige Jahre nach dem Verkauf bei einem Autounfall ums Leben gekommen, wobei der Schuldige Fahrerflucht beging. Wie beim Fluch des Tut Anch Amun wird aus solchen Details eine Serie von rätselhaften Todesfällen Beteiligter konstruiert und dabei großzügig mit den Fakten umgegangen.

Der Fund

Schon die Entdeckung, die Saunière in der Dorfkirche gemacht haben soll, ist von Legenden umgeben. Mal war es in einer, aus merowinigischen Zeit stammenden Säule des Altars, mal in der Strebe eines hölzernen Geländers. Gefunden wurden ein, zwei oder auch mehrere Pergamente, die allerdings noch nie jemand im Orginal gesehen hat und von denen nur Fotokopien aufgetaucht sind.

Es wird allerdings unverdrossen daran gearbeitet, im Text dieser Pergamente eine geheime Botschaft zu finden, die Hinweise auf die von Saunière gemachte Entdeckung geben könnte. Verschlüsselte Hinweise sollen auch in der von Saunière renovierten Dorfkirche, auf dem Friedhof oder auf dem Anwesen zu finden sein.

Bis in die 50er Jahre hat sich niemand für die Pergamente interessiert. Auch als Noël Corbu die Geschichte zur Belebung des Fremdenverkehrs eingesetzt hat, gab es keinen ernsthaften Versuch, sie aufzuspüren. Corbu schien eher davon auszugehen, daß Marie Dénarnaud, Haushälterin und Vertraute von Saunière, in das Geheimnis eingeweiht worden wäre und hatte gehofft, daß sie es ihm vor ihrem Tod anvertrauen würde.

Gérard de Sède mag bei einem Aufenthalt im Hotel und Restaurant von Corbu auf die Geschichte aufmerksam geworden sein. Er jedenfalls gibt an, daß er die Fotokopien der Pergamente während der Arbeit an dem Buch l'Or de Rennes mit der Post bekommen hätte. Er hat sie zumindest in der gebundenen Ausgabe wiedergegeben.

Der Reichtum

Zweifellos hat Saunière ein Leben in Luxus geführt und daran auch die Dorfbewohner teilhaben lassen, die es ihm durch treue Ergebenheit dankten. Als er vom Bischof von Carcassonne abgesetzt wurde, wich er nicht vom Fleck, sondern soll die Messe für seine treue Gemeinde im Wintergarten des Anwesens gelesen haben, während der zwangsweise eingesetzte neue Pfarren allein in der leeren Kirche stand. Von 1917 bis 1945 konnte Marie Dénarnaud unbehelligt im Dorf leben und vom Vermögen zehren. Erst 1945 mußte sie das Anwesen offensichtlich aufgrund einer akuten Geldnot an Noël Corbu verkaufen, der ihr eine Leibrente zahlte und ihr Wohnrecht gewährte.

Ob es wirklich so war, daß das von ihr gehortete Geld bei einer Währungsreform nach dem Krieg ungültig geworden war, oder ob einfach der Vorrat an alten Büchern und Kunstgegenständen nach drei Jahrzehnten zu Ende gegangen war, wäre noch zu klären. Weder Corbu noch einer der folgenden Besitzer des Anwesens hat etwas von dem Schatz gefunden, der angeblich im Hügel unter dem Ort liegen soll. Henri Buthion, der es Corbu abgekauft hatte, durchwühlte den Boden und trieb Schächte in die Erde, was ihn nicht vor der Zwangsversteigerung bewahrte.

Vielleicht gelingt es wenigsten der Gemeinde, die das Anwesen im Jahr 2002 gekauft hat, daraus ein florierendes Unternehmen zu machen.

Meine Werkzeuge