Phasen der Menschlichen Kulturgeschichte

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Die Menschheit ging von ihren Anfängen bis heute mehrere Zeitalter durch, welche durch die jeweilige Praxis, sich die Natur untertan und gefällig zu machen, ausgezeichnet waren. Im Folgenden werden die vier markantesten Phasen anhand ihrer Praxis erläutert.

Die 4 Phasen

Mimetik

Die erste Phase war durch die Mimetik geprägt. In dieser Phase imitierten die Menschen die Natur durch ihre Rituale und durch Fetische, um durch die Veränderung der Rituale oder Beschwörung der Fetische eine Veränderung in dem Element herbeizuführen, dem es nachempfunden war. Diese Praxis sah man noch im 19. und 20. Jahrhundert bei Naturvölkern, welche noch in einer steinzeitlichen Phase waren und von der Zivilisation unberührt geblieben waren. Charakteristisch für diese Phase ist auch eine starke Affinität zu Cargo-Kulten.

Die Ewigkeit wurde auf dieser Stufe schlicht durch die ständige Wiederholung von Ritualen und Symbolen dargestellt. Das Symbol war vor Generationen schon so, der Tanz wurde von den Vätern schon so getanzt und auch die Kinder werden das gleiche Symbol kennen und den gleichen Tanz tanzen. So überlebt das übernatürliche, das dargestellte, jeden Einzelnen und ist ewig, da weder Anfang noch Ende bekannt sind.


Mythologie

Die zweite Phase war die Mythologie. Die Elemente der Natur wurden nicht mehr nur nachgeahmt, sondern ein Verständnis ihres Wesens wurde angestrebt, um ihnen durch Taten und Gebete Gefallen entlocken zu können. Wie es dem Menschen eigen ist, projizierte er seinen eigenen Verstand und sein eigenes Wesen in die Elemente, um sie zu verstehen. Diese Art der ursprünglichen Mythologie findet man heute noch in Menschen, welche Tiere verstehen wollen und ihnen dabei menschliche Gefühle und Verhaltensweisen andichten. Auf diese Weise entstanden personifizierte Elemente, welche man durch Gebete und Opferungen gefügig machen und ihnen Dienste abverlangen konnte. Während sie in eher primitiven Gesellschaften noch immer stark an Fetische oder Totems erinnern, entwickelten sich in verschriftlichten Kulturen viele Geschichten rund um die Personifizierten Elemente, welche sie den Menschen näher brachten. Die Geschichten waren sich in dem Punkt einig, dass alles Geschehen am Ende Busse dafür tun muss, dass es geschah. Nur so konnte den Menschen die Konsequenz ihrer Handlungen aufgezeigt und ein Lebenspfad vorgeschlagen werden, welcher die bestmöglichen Konsequenzen hatte.

In dieser Phase wurde die Ewigkeit nicht mehr nur durch die Wiederholung der Symbole dargestellt, weil diese sich zwischen verschiedenen Mythen unterscheiden konnten. Stattdessen wurden Kreisläufe durch einzelne Mythen dargestellt, welche sich in jeder Wiederholung der Natur selbst wiederholten. So zum Beispiel das Tägliche Auferstehen und Sterben des Sonnengottes Ra, welches bei jedem Sonnenauf- und Untergang beobachtet werden konnte. Dergleichen war der Raub Persephones ein Mythos, welcher jeden einzelnen Herbst erklärte. Nicht, dass sie jedes Jahr geraubt wurde, sie wurde nur einmal geraubt, was jedoch in jedem einzelnen Herbst aufs Neue passierte. Unabhängig des Vorjahres. Die stete Wiederholung der Natur zeigte die Unausweichlichkeit und die Ewigkeit der Welt auf. Der Fenriswolf frisst jeden Dezember die Sonne, Osiris stirbt mit jedem Toten, der Mensch beisst in jedem Kind, das verständig wird in die verbotene Frucht der Weisheit. Die Geschichte ist nicht linear, sondern in jedem einzelnen Bereich zirkulär und damit ewig. Aus dieser Phase sind auch kaum Chroniken oder Geschichtsmodelle zu finden. Die Vorstellung einer linearen Zeit entwickelte sich erst später.


Metaphysik

Mit voranschreitender Verschriftlichung und der Linearisierung der Geschichte gelangten einige Kulturen in die nächste Phase. Die Metaphysik. Die zuvor geschaffenen Götter und Geister wurden auf ihre Fähigkeiten und Wesen reduziert, ohne ihnen eine Gestalt oder eine Hintergrundgeschichte zu geben. Sie wurden als abstrakte, unergründliche Wesen behandelt, die man per Definition nicht begreifen, dennoch aber erkennen kann. Daraus folgte eine Flut an neuen Definitionen von abstrakten Tugenden, Sünden, Geistern und Göttern, welche keines Körpers, keines Aussehens und keiner Geschichte mehr bedurften. Sie wurden als ewig behandelt.

Die Ewigkeit musste nicht mehr länger durch ein ewiges Symbol oder eine zirkuläre Geschichte erklärt werden, sondern wurde als Eigenschaft per se definiert. Die Geschichte mochte linear sein, doch die Wesen, welche der Geschichte der Welt übergeordnet waren, waren ewig und bestanten vor der Welt, wie sie auch nach ihr bestehen würden.


Aufklärung

Die jüngste Phase dieser Entwicklung sah sich selber, wie schon alle Phasen zuvor, den vorangegangenen überlegen und entwachsen. Mimetik, Mythologie und Metaphysik schienen überwunden in einer dunklen Vergangenheit zu liegen. Die Aufklärung besann sich auf die Säkularisierung der Welt und die Erklärung aller Vorgänge in der Welt durch nachvollziehbare Wissenschaft und reine Vernunft. Keine Götter, keine Totems und keine Legenden sollten in dieser neuen Phase einen Platz haben. Das Ideal der Aufklärung 'ist das System, aus dem Alles und jedes folgt.' (Horkheimer/Adorno, 1944)


Emanzipation

Jede einzelne Phase war dadurch gekennzeichnet, dass sich die Menschen von der vorangegangenen Phase diszanzieren und emanzipieren wollten. Sie hatten neue Wege, die Welt zu erklären und sie zu beherrschen und hielten die letzte Phase für archaisch und falsch. Dennoch gelang es keiner der Phasen, sich vollständig von der vorangegangenen zu emanzipieren. Noch heute sind alle vier Phasen selbst in aufgeklärten Ländern präsent. Jede Phase entsrpach der Natur der Menschen. Und diese lässt sich nicht durch ein Umdenken ausradieren.

Überleben der Mimetik

Die Mimetik ist in den Talismanen erhalten geblieben. Vorgänge in der Natur werden ohne rationale Erklärung an einen Gegenstand oder ein Ritual gebunden, welches jeweils wiederholt werden muss, um den Vorgang in der Natur zu wiederholen. Ein Glückspfennig, ein Glückspullover oder eine Glückssocke kann Erfolg herbeiführen, ein festgelegtes Ritual am Morgen vor Wettkämpfen oder Prüfungen kann einen Sieg garantieren. Und es wird von entscheidender Bedeutung, ob die Zähne nun vor der Morgendusche geputzt werden oder danach.


Überleben der Mythologie

Die Mythologie überlebte in vielen Bereichen unseres Lebens. Haustierhalter sind dabei die fleissigsten Autoren, welche ständig mit neuen Mythen um ihre Tiere aufwarten, welche sie nicht nur als menschlich, sondern dem Menschen deutlich überlegen beschreiben. Nicht selten mit einem sechsten oder gar siebten Sinn. So wird einer Katze, welche sich die Abfolge der Geräusche gemerkt hat, die der Ankunft des Herrchens vorausgehen, und sich deswegen in Erwartung an Futter vor die Tür stellt, sobald sie diese hört, übersinnliche Fähigkeiten und Hellsichtigkeit attestiert. Ebenso werden weiterhin menschliche Götter hinter Vorgänge der Natur gestellt, wie Petrus, der das Wetter macht, Christopherus, welcher einen heil an seinem Ziel ankommen lässt, oder Antonius, welcher verlorene Gegenstände zurückführt


Überleben der Metaphysik

Schicksal, Höhere Macht, Ewigkeit und Energie sind die Schlagwörter der heutigen Metaphysik. Als ewig geltende Prinzipien und Wesenheiten werden sie über den Menschen als Bewohner der Ewigkeit vermutet und verehrt. Widerstand gegen diese Wesen ist zwecklos, da sie ewig und allmächtig sind. Doch sie helfen dabei, die Welt und ihren Lauf zu akzeptieren und zu erklären.


Literatur

  • Max Horheimer, Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente, 15.Auflage. Fischer Verlag, Frankfurt. 2004.
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