Dokumente der Prioré de Sion

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Symbol Prioré de Sion.jpg

Einleitung

Diese Dokumente spielen eine Schlüsselrolle in der Geschichte um Rennes-le-Château und in den darauf basierenden Mythen. Sie werden von vielen nach wie vor als ernstzunehmende Quellen zur Enträtselung der Geheimnisse betrachtet. In den meisten Fällen wurden die tatsächlichen Quellen inzwischen entdeckt und die vorliegenden Dokumente als Produkte aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erkannt. Es wurde teilweise die damals gerade aufkommende Technik der Fotokopie auf selbstgeschriebenes oder fremdes Material angewandt.

Ob es sich dabei um Fälschungen handelt, hängt von der Sichtweise ab. Zweifellos sollte damit Verwirrung gestiftet werden, wobei noch zu klären wäre, wer letztlich die treibende Kraft war, welche Absicht verfolgt wurde und auf wen gezielt wurde.

Die Dokumente

Die Dokumente lassen sich in verschedene Gruppen zusammenfassen

  • Die sogenannten Pergamente (Parchemin franz. Parchment engl.), die Abbé Saurier angeblich bei der Renovierung seiner Kirche gefunden hat. Sie enthalten Texte auf Latein, die eine geheime, aber nicht allzu schwer codierte Botschaft enthalten. Die Rede ist von 1 bis 5 Pergamenten. Die angebliche Kopie von zwei Pergamenten wurde Gérard de Sède nach eigenen Aussagen bei den Arbeiten am Buch über Rennes-le-Château per Post zugesandt und in das Buch aufgenommen.
  • Die Dokumente, die bei der französischen Nationalbibliothek abgegeben wurden.
  • frühe Veröffentlichungen von Pierre Plantard, etwa seine Zeitschrift "Circuit", deren Texten im nachhinein ein mysteriöser Inhalt unterstellt wird, die Satzung des Vereins "Prioré de Sion"

Die meisten dieser Dokumenten sind in Form von Reproduktionen als Mélanges Sulfureux 1 - 3 zu kaufen.

Hintergrund

Es spricht einiges dafür, daß sie von Philippe de Chérisey, möglicherweise in Abstimmung mit Gérard de Sède (was noch zu beweisen wäre, aber plausibel ist) geschaffen wurden. Pierre Plantard, der auch verdächtigt wird, erscheint eher als kleiner Betrüger, der dazu vermutlich intellektuell nicht fähig war. Fast alle Autoren lassen sich von seiner angemaßten Funktion (Generalsekretär, später Großmeister) in der Prioré de Sion täuschen. Später hat er sich selbst als Nachkomme der Merowinger-Könige, der mit den Dokumenten seinen Anspruch auf den französischen Thron begründen wollte, bezeichnet, was einem typischen Muster bei solchen Betrügereien entspricht.

Der Journalist Jean-Luc Chaumeil behauptet im Besitz von mehr als 100 Briefen (samt den Orginalumschlägen) zu sein, in denen sich Gérard de Sède, Pierre Plantard und Philippe de Chérisey über eine großangelege Täuschungsaktion absprechen. Arnaud de Sède ist hingegen felsenfest von der Lauterkeit seines Vaters überzeugt. Jean-Luc Chaumeil ist allerdings Autor verschiedener Bücher über UFOS und andere spekulative Themen.

Ein entscheidendes Detail ist, wann und unter welchen Umständen sich diese Personen kennengelernt haben. Es wird behauptet, daß Pierre Plantard schon in der Vorphase des Buchs über Gisors beteiligt gewesen sei, während andere davon ausgehen, daß er erst nach der Veröffentlichung des Buches, bzw. der vorangegangenen Veröffetlichung eines Beitrags in einer Zeitschrift, den Kontakt zu [[[Sède, Gérard de|Gérard de Sède]] gesucht hat, von diesem aber als Mitarbeiter akzeptiert wurde, da er sich in den esoterischen Zirkeln von Paris gut auszukennen schien. Pierre Plantard hatte in den 50er Jahren seine Leistungen als Hellseher angeboten. Im ersten Buch von Gérard de Sède wird Pierre Plantard als Mitarbeiter aufgeführt, der die Zeichnungen angefertigt hat.

Die meisten Autoren gründen ihre Spekulationen auf dem Datum, das auf dem jeweiligen Dokument angegeben ist. Jedoch kann es bei einer Fälschung als völlig normal angesehen werden, ein irgendwie passendes Datum anzugeben. So kann man sich auch auf Ereignisse beziehen, die scheinbar nach Veröffentlichung des Dokuments geschehen sind. Entscheidend ist das Datum, zu dem die Dokumente in der Nationalbibliothek registriert worden sind, was durchaus einige Tage nach dem Eingang geschehen sein mag.

Scans der Dokumente


http://www.cc-parthenay.fr/parthenay/creparth/BARATONJe/ps.htm zu Pierre et Papier

Die rätselhaften Dokumente

http://members.aol.com/renneschateau/perga.htm Zur Herkunft der Pergemente

Der französischen Nationalbibliothek (BnF) wurden in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Reihe von Dokumenten zugesandt, die offensichtlich ordnungsgemäß katalogisiert wurden und sich problemlos im elektronischen Katalog finden lassen. Es handelte sich offensichtlich um Fotokopien, die so gestaltet waren, daß man sie für Privatdrucke in kleiner Auflage halten konnte. Die BnF ist gesetzlich verpflichtet solche Publikationen, z.B. von Vereinen und Privatgelehrten, zu archiviern.

Eingang Titel Erläuterung Signatur BNF
1966. Lobineau, Henri.

Généalogie des rois mérovingiens et origine des diverses familles françaises et étrangères de souche mérovingienne. Genève 1956

Die Texte und Genealogien sind vermutlich mit Hilfe einer Schablone erzeugt worden, wie sie zum Beschriften von technischen Zeichnungen verwendet wurde. (Plantard war technischer Zeichner, die Verzerrungen sind möglicherweise durch das Abfotografieren entstanden). Datiert ist auf 1956 Genève, Suisse. Es werden die Pergamente von Abbé Saunier erwähnt, aber auch Gisor und eine der Genealogien betrifft die Familie Plantard (verschiedene Schreibweisen). Handschriftlicher Zusatz Lm³ 41mn (Signatur der Französischen Nationalbibliothek?)


Die Dokumente, die Henri Lobineau zugeschrieben werden als Scan


Fol LM3 4122
August 1965 Madeleine Blancassal

Les descendants Mérovingiens ou l'enigme du Razès wisigoth, Geneva 1965

In der Landesbibliothek Bern gibt es ein solches Werk als Fotokopie aus 21 Blättern. Auf dem Umschlag steht Madeleine Blancasall, auf dem nächsten Blatt Blanca-Sall und auf dem Folgeblatt Blancassall. Es soll sich laut Einführung um einen Text für die Mitglieder der „Association Suisse Alpina“ mit Sitz in Genf handeln. Der Druckvermerk lautet: Publication Gratuite Genève – Aout 1965 – „Alpina“. Und etwas weiter oben: „Monsieur David Levis-Cohen, notre délégué en France se fera un plaisir de documenter tous nos adhérents.“

Höchstwahrscheinlich handelt es sich um einen Ableger des Verlags Alpina, Paris, der schon 1935 ein Buch von André Maurois herausgebracht hat. Quelle

16º LK7 50224
Mai 1966 Antoine l'Ermite Un tresor Merovingien a Rennes-le-Chateau Nachdruck eines Textes aus dem Buch "trésors du monde" von Robert Charroux aus dem Jahr 1962. Als Autor wird "Antoine l'Ermite" angegeben. Nach Angaben von Henry Lincoln soll es kein einfaches Faksimile sein, sondern der Text wurde neu gesetzt und mit kleinen Anmerkungen versehen.

Die Scans im Netz deuten darauf hin, daß es nicht neu gesetzt wurde, da bereits der erste Abschnitt einen größeren Einzug aufweist und möglicherweise der Text davor nur abgeschnitten wurde. Der Verlag "J'ai Lu" der Taschenbuchausgabe, aus dem der Text stammt, ist der gleiche, bei dem auch de Sède veröffentlicht hat. Es wurde vielfach nachgedruckt.

Die gebundene Ausgabe erschien 1962 beim Verlag Fayard Paris (cartonné sous jaquette 319 pages , cartes , photos)

8º LJ9 9537
Juni 1966 Pierres gravées du Languedoc, paginé 181 - 191, Limoux 1884 Reproduction de planches XVI à XXIII par l'abbé Joseph Courtauly, Villarzel-du-Razés 1962

Nachdruck eines Buches das angeblich 1884 von Eugene Stublein stammt. Diesen hat es wirklich gegeben hat und er hat 1877 ein Buch mit dem Titel "Description d'un voyage aux establissements thermaux de l'arrondissement de Limoux" herausgegeben. Das Orginal ist bisher nicht gefunden worden. Es soll der Text enthalten sein, den Saunière, Bérenger später entfernen ließ.

8º LJ6 849
März 1967 Le serpent rouge, notes sur Saint Germain-des-Pres et Saint Sulpice de Paris, Pontoise 1967 Als Autoren werden Louis Saint-Maxent, Gaston de Koker, Pierre Feugere angegeben, die am 6. März tot aufgefunden wurden. Das Eingangsdatum soll der 20. März sein, aber Henry Lincoln gibt den 17. Januar an. Die Familien versichern, daß die genannten Personen keinerlei Kontakt untereinander gehabt hätten.

Philippe de Chérisey gilt als Surrealist. Text mit Übersetzung

April 1967 Dossiers Secrets Dazu schreibt Henry Lincoln: [..] a thin, nondescript volume, a species of folder with stiff covers which contained a loose assemblage of ostensibly unrelated items - news clippings, letters pasted to backing-sheets, pamphlets, numerous genealogical trees and the odd printed page apparently extracted from the body of some other work. Periodically some of the individual pages would be removed. At different times other pages would be freshly inserted. On certain pages additions and corrections would sometimes be made in a miniscule longhand. At a later date, these pages would be replaced by new ones, printed and incorporating previous emendations [...].

Die Frage ist, woher er es weiß, daß Seiten entnommen und andere eingefügt wurden.

Wird Henri Lobineau (Leo R. Schidlof) zugeschrieben.

Scan

Fol LM3 4122
Oktober 1967

Beaucéan, Nicolas

Au pays de la reine blanche

4º LK7 50603
November 1967 Hisler, Anne Lea

Tresor au pays de la reine blanche

4º LK750889

Einschätzung

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei scheint fehlend zu sein:
Eines der gefälschten Pergamente

Die Fälschungen werden Philippe de Chérisey zugeschrieben, der als "Freund" von Pierre Plantard bezeichnet wird. Plantard soll ihm Unterschlupf in seiner Pariser Wohnung gewährt haben, als er ein Einreiseverbot (?) nach Frankreich hatte. Philippe de Chérisey stammte aus einem belgischen Adelsgeschlecht und arbeitete als Journalist für den Rundfunk. Zuvor hatte er sich als Schauspieler betätigt. Er arbeite an einer Sendung, in der die Zuhörer mit erfundenen Geschichten an der Nase herumgeführt wurden. Philippe de Chérisey scheint schon 1961, also vor Gérard de Sède in Rennes-le-Château gewesen zu sein und hat die Geschichte von Corbu, Noël erfahren.

Die Darstellung von Klaus Fritz, daß die Fälschungen als Reaktion auf des Buch von Gérard de Sède angefertigt wurden, läßt sich aufgrund der zeitlichen Abfolge nicht halten. Weit verbreitet ist die Behauptung, daß das Buch von Plantard beeinflußt wurde, was aber von Arnaud de Sède bestritten wird. Tatsächlich kam das Buch erst nach der Auftauchen des letzten der Dokumente auf den Markt. Als Faksimile wurden die sogeannten Pergamente wiedergegeben, die Philippe de Chérisey angefertigt hat und die einen geheimen Code enthalten sollen. Bemerkenswerterweise ergibt sich aus dem lateinischen Text ein Satz in modernem Französisch. Es sollen die Dokumente sein, die Abbé Saunière in einer Säule aus westgotischer Zeit gefunden hat und als Grund für seinen plötzlichen Reichtum interpretiert wurden.

Möglicherweise ist tatsächlich ein bewußtes Verwirrspiel vorbereitet worden, da Philippe de Chérisey für eine Rundfunksendung, bei der Leute in die Irre geführt wurden. Vielleicht entwickelte sich eine Eigendynamik, die dazu führte, daß der urspüngliche Plan aufgegeben wurde. Allerdings ist eine Vorbereitungszeit von drei Jahren eher ungewöhnlich.

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