Cargo-Kult

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Der Begriff Cargo-Kult bezieht sich in erster Linie auf religiöse Handlungen in Melanesien, u.a. auf Papua Neuguinea. Als die isolierten Einwohner Melanesiens mit westlichen Gütern („Cargo“) in Berührung kamen, hielten sie diese für Geschenke der Götter. Die Einwohner imitierten daraufhin das Verhalten der Fremden, deren Lebensstil ihnen unbekannt war, da sie hofften, dadurch noch mehr Cargo zu erhalten.

Bekannteste Beispiele für Cargo-Kult sind imitierte Landebahnen, Flughäfen und Radios aus Kokosnüssen und Stroh. Die Insulaner bauten diese im Glauben, sie würden damit Flugzeuge anziehen, die noch mehr Cargo bringen würden.


Geschichte

Der Cargo-Kult ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt, erlangte jedoch seinen Höhepunkt während des Zweiten Weltkriegs, als große Mengen an Kriegsmaterial auf die Inseln abgeworfen wurde, was zu einer dramatischen Änderung des Lebensstils der Insulaner führte. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Gegenstände zur Versorgung der Soldaten, die auf den Inseln stationiert waren (Kleidung, konservierte Nahrungsmittel, Zelte, Waffen, etc.).

Als gegen Ende des Krieges die Stützpunkte aufgegeben wurden und auch kein Cargo mehr abgeworfen wurde, begannen die Insulander, die Verhaltensweisen der Soldaten, Seeleute und Piloten, die sie während ihrer Anwesenheit beobachtet hatten, zu imitieren. Sie schnitzten Kopfhörer aus Holz mit Antennen aus Bambus und trugen diese, während sie in selbstgebauten Kontrolltürmen saßen. Sie imitierten Landesignale auf den Landebahnen und erzündeten Signalfeuer und Fackeln, um die Landebahnen zu beleuchten. So entstanden sogar Flugzeuge aus Stroh in Originalgröße. Ihrer Ansicht nach mussten die Fremdem eine besondere Verbindung zu ihren eigenen Ahnen gehabt haben – die einzigen, die genug Macht besaßen, solche Schätze herzustellen.

Diese Praktiken brachten zwar die Flugzeuge mit Cargo nicht zurück, doch sie trugen zur Auslöschung der religiösen Praktiken bei, die zuvor exisitiert hatten.

Heute wird der Begriff „Cargo-Kult“ von Zeit zu Zeit für jede Gruppe von Menschen verwendet, die das oberflächliche Äußere eines Prozesses oder Systems imitiert, ohne jegliches Verständnis der dahinterliegenden Technologie.


Literatur

Die Posaune wird erschallen – Cargo-Kulte in Melanesien Autor: Peter Worsley Erscheinungsjahr: 1973 ISBN 3518063715


Quellen und weiterführende Links

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